Oma Gaby in Afrika
In einem weit entfernten Erdteil, der Afrika heißt, gibt es ein Land mit dem Namen Ghana. Dort leben nur dunkelhäutige und sehr freundliche Menschen. Sie haben deshalb eine ganz dunkle Haut, weil es dort das ganze Jahr über sehr heiß ist, so wie bei uns im Hochsommer, und eine dunkelbraune Haut bekommt keinen Sonnenbrand!
Die Menschen dort sind sehr arm und haben oft nicht einmal genug zu essen. Aber trotzdem sind sie fast immer fröhlich und freundlich zu Fremden, die als Gäste dort hinkommen, und mit denen sie dann noch ihr weniges Essen teilen.
Dort in Ghana hat Lukas, fünf Jahre alt, ein Jahr mit seinen Eltern gelebt, und ich, als Lukas’ Oma, habe sie dort besucht.
Lukas’ Papa ist Arzt und hat im Krankenhaus von Agogo gearbeitet. Agogo, so heißt der Ort, wo Lukas lebte. Während sein Papa Philipp die kranken Menschen versorgte, hat seine Mama Kim viele Kinder betreut, die dort im Krankenhaus waren. Sie haben miteinander gelernt, gespielt, gebastelt – und ganz viel Musik gemacht. So kam es, dass Lukas ganz viele Freunde im Krankenhaus hatte.
Seine besten Freunde hießen Halifax und Latif. Von ihnen werde ich euch jetzt ein bisschen erzählen:
Halifax und Latif sind beide zehn Jahre alt. Sie haben eine ganz dunkle Haut, kurze schwarze Haare und strahlende braune Augen. Sie sind meistens fröhlich und freundlich, spielen und singen gerne.
Ihre Eltern sind so arm, dass sie ihnen gar kein Spielzeug kaufen können, und weil sie beide in Dörfern daheim sind, die ganz einsam tief im Busch liegen, können sie und die anderen Kinder in ihrem Dorf auch nicht zur Schule gehen. Also sind sie immer zuhause und basteln sich mit viel Phantasie ihr Spielzeug selber – aus Steinen, alten Blechdosen und Papier – so wie ihr es ja auch manchmal im Kindergarten macht. Ihr Spielplatz ist das Dorf und der Busch. Im Busch gibt es ganz hohe Bäume, viele Pflanzen und sehr hohes Gras, in dem man sich toll verstecken kann.
Aber Vorsicht! – Auch Schlangen verstecken sich im Busch - und weil einige von ihnen giftig sind, muss man sehr gut aufpassen. Eigentlich sind Schlangen sehr scheue Tiere, aber wenn man versehentlich zu sehr in ihre Nähe kommt, bekommen sie Angst und beißen, um sich zu verteidigen.
Außer den Schlangen gibt es dort noch viele, viele andere Tiere: Farbenprächtige Eidechsen, wunderschöne Schmetterlinge und viele verschiedene Vögel, die nur dort leben. Ihr seht also, es ist ein schöner Platz, und Halifax, Latif und ihre Freunde kennen sich dort gut aus.
Aber unsere Beiden müssen auch viel helfen und arbeiten: Weil es in ihren Dörfern in keinem Haus fließendes Wasser aus der Leitung gibt, müssen sie täglich mit einem großen Eimer zu einem weit entfernten Brunnen gehen, um Wasser für die ganze Familie zu holen. Dieses Wasser muss zum Kochen und Waschen reichen und es ist deshalb sehr kostbar.
Sicher habt ihr auch schon einmal Wasser in eurem Sandeimer getragen und dabei bemerkt, wie schwer es ist und wie leicht es überschwappt. Und ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass es gar nicht so einfach ist, einen großen Eimer mit Wasser zu tragen, ohne etwas zu verschütten, außerdem ist er sehr schwer – viel schwerer als euer kleiner Eimer!
Deshalb tragen die Menschen in Afrika, auch die Kinder, den Eimer auf dem Kopf. Das ist wirklich eine Kunst, die sie von klein auf lernen müssen! Und weil es in den Dörfern auch keinen elektrischen Strom für den Ofen gibt, müssen Latif und Halifax, wie auch die anderen Kinder, das Brennholz aus dem Busch holen, damit ihre Mamas Essen kochen können.
Ihr habt auch einen Bericht über Kinder in einem anderen Land?
Dann schickt ihn uns an kontakt(at)fideldidu.de. Jeden Monat wird ein Bericht veröffentlicht.
Da wird das schwere Holz nach dem Sammeln dann zusammengebunden und auch auf dem Kopf heimgetragen. Auf diese Weise werden alle Dinge transportiert, die man zum Leben braucht.
So sieht man auf der Straße oft viele Kinder zusammen laufen, und alle haben eine schwere Last auf dem Kopf, die eigentlich noch viel zu schwer für ihren kleinen Körper ist. Sie legen dabei weite Strecken zurück.
Wenn man ihnen dann mit dem Auto entgegenkommt, bleiben sie stehen und winken einem ganz fröhlich und lebhaft zu. Ihr müsst wissen, es gibt kaum Autos dort, und noch seltener kommt es vor, dass weiße Menschen im Auto in ihre Gegend kommen. Das ist dann ein ganz großes Erlebnis für sie.
Eines Tages besucht ein Mann mit dem Namen Abbas die beiden in ihren Dörfern. Er untersucht alle Kinder im Dorf und stellt fest, dass sie Wunden an ihren Armen und Beinen haben. Weil Halifax und Latif bisher keine Schmerzen hatten, hat sie das überhaupt nicht gestört. Auch ihr habt ja manchmal Schrammen vom Spielen. Das nächste Krankenhaus ist weit entfernt und Behandlungen kosten in der Regel viel Geld. Die Eltern haben aber kein Geld für eine teure Behandlung. Trotzdem lädt Abbas sie in sein Krankenhaus ein. Sie haben natürlich kein Auto und müssen den langen Weg zu Fuß gehen oder teilweise mit einem ganz alten Bus fahren. Viele Stunden sind sie in der großen Hitze unterwegs.
So kommen Latif und Halifax ins Krankenhaus von Agogo, in dem Lukas' Papa arbeitet und auf dem Krankenhausgelände mit seiner Familie wohnt.
Hier lernen sich die drei Kinder, Lukas, Halifax und Latif, kennen und werden dicke Freunde – obwohl sie sich anfangs gar nicht verständigen können: Lukas spricht nur deutsch, Halifax und Latif nur „Twi“, so heißt die dortige Sprache. Aber das stört sie nicht – es klappt auch so!
Nach einiger Zeit sprechen Halifax und Latif dann auch etwas englisch -was die meisten großen Leute auch können – und Lukas lernt bald ein wenig englisch und auch ein bisschen „Twi“.
Latif und Halifax werden nun gründlich untersucht, und die Ärzte stellen fest, dass sie beide eine Krankheit haben, die „Buruli“ heißt. Es ist ein schlimme Krankheit, bei der das Gewebe unter der Haut zerstört wird, in dem auch die Muskeln und Sehnen liegen, mit denen wir Menschen unsere Arme und Beine bewegen können.
Man kann „Buruli“ nur durch eine oder oft auch mehrere große Operationen heilen, und die Kinder sind viele Monate im Krankenhaus. Sie haben alle dicke Verbände und später auch viel Schmerzen durch die Operationen. Aber sie sind tapfer und lachen und singen trotzdem wie alle Kinder auf dieser Welt. Und sie freuen sich, wenn Lukas mit seiner Mama Kim zum Spielen zu ihnen kommt. Sie nennen die Beiden liebevoll „Kwasi Lukas“ und seine Mama „Akusua Kim“. Lukas' Papa wird „Doctor Kofi Philipp“ genannt. Und ich war für sie „Maame Gaby“.
Sicher findet ihr diese fremden Namen sehr lustig – oder?
Oft gibt Mama Akusua Kim den Kindern auch etwas Gutes zu essen, denn im Krankenhaus bekommen sie viel zu wenig, wie die meisten von ihnen auch vorher schon zuhause. Weil auch das Krankenhaus zu wenig Geld hat, können nicht all die vielen kranken Menschen gut mit Essen versorgt werden.
So lernt Lukas mit der Zeit ganz viel kennen vom Leben der Menschen und vor allem der Kinder in Afrika. Und es ist eine abenteuerliche Zeit für ihn.
Nun ist er mit seinen Eltern wieder daheim in Deutschland bei seinen Freunden, die sich sehr gefreut haben, dass er wieder da ist. Aber oftmals wandern seine Gedanken wieder zurück nach Ghana, und er hat Sehnsucht nach seinen Freunden dort.
Sicher wird er sie nie vergessen!
Eure Oma Gaby
23. Juni 2008
Gabriele Lach
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Mehr über Buruli
Was ist Buruli-Ulkus?
Buruli-Ulkus ist ein Geschwür, das sich in der Haut bildet. „Buruli“, dieser Teil stammt von einer Region in Uganda ab, in der diese Erkrankung in den 60er Jahren gehäuft auftrat und beschrieben wurde. Erstmals jedoch wurden ähnliche Geschwüre 1897 von Sir Albert Cook, einem britischen Arzt entdeckt, der zu jener Zeit in Kampala, Uganda arbeitete.
Wo kommt Buruli-Ulkus vor?
Das Vorkommen von Buruli-Ulkus wurde inzwischen aus über 30 Ländern berichtet. Hauptsächlich sind dies Länder in subtropisch bis tropischen Regionen. Genaue Zahlen zu den Betroffenen weltweit gibt es nicht. Zahlen einzelner Länder sind z.B. 11000 Fälle in Ghana seit 1993, ca. 24000 Fälle in der Elfenbeinküste zwischen 1989 und 2006. In Australien werden stetig steigende Zahlen verzeichnet.
Was ist die Ursache von Buruli-Ulkus?
Ursache der Erkrankung ist ein bakterieller Erreger Mycobacterium ulcerans. Mykobakterien, dazu gehören auch die Erreger der Tuberkulose und der Lepra. M. ulcerans kommt in der Umgebung in Feuchtgebieten vor. Wie der Erreger nun auf den Menschen genau übertragen wird, weiß man nicht. Betroffen sind hauptsächlich arme, unterernährte, ländliche Bevölkerungsgruppen. Insbesondere Kinder.
Wie wird die Erkrankung diagnostitziert?
Man entnimmt Abstriche oder kleine Gewebeproben, die entweder unter dem Mikroskop oder durch genetische Nachweismethoden untersucht werden.
Wie behandelt man Buruli-Ulkus?
Der größte Teil der Fälle muss operiert werden. Man versucht seit einiger Zeit Behandlungsstrategien mit Antibiotika zu entwickeln, die z.T. vielversprechend erscheinen.
Was bedeutet Buruli-Ulkus für den Betroffenen?
Für einen Patienten mit Buruli-Ulkus bedeutet die Erkrankung in der Regel einen langen Leidensweg. Zwischen 3 und 12 Monaten muss er durchschnittlich in einem Krankenhaus bleiben. Nach Operationen bleiben Narben, Kontraktionen zurück, die einschränkend und behindernd sind. Im fortgeschrittenen Stadium müssen sogar Glieder wie Finger, Arm, Bein oder Fuss amputiert werden. Für Kinder bedeutet das, das sie in dieser Zeit keine Schulausbildung machen können und später beruflich durch die Behinderung stark benachteiligt sein können. Der Heilungsprozess ist langwierig, oft trocknen die großen Wundflächen sehr schlecht oder die Hauttransplantationen schlagen fehl und es muss nachoperiert werden.
Medizinischer Übersichtsartikel zu BU
Weiter Informationen zum "Sick and poor fund" finden sie unter: www.ems-online.de
Spendenkonto: Diese Website wird zur Zeit überarbeitet
Bei Fragen wenden sie sich direkt an g.lach(at)freenet.de
Mehr über das Hilfsprojekt Buruli können sie unter Hilfsprojekte erfahren.
















